Doris Hinzen-Röhrig

 

„Wildwüchsig“, 2017

 

„Zugegeben, ich fotografiere mit dem Blick einer Malerin und Zeichnerin, fasziniere mich deshalb für Dinge, die mich in erster Linie durch ihre malerischen Flächen und linearen Maserungen anziehen, gleichzeitig als allgemein unbedeutend, materiell wertlos, unansehnlich erscheinen. Ebenso interessieren mich ‚Ecken‘ einer Stadt oder ‚Winkel‘ der Natur, die zunächst auch auf mich reizlos wirken, mich beim zweiten Hinschauen jedoch zum ‚Sehen‘ und Entdecken geradezu herausfordern. So wird aus anfänglicher Ambivalenz zwingende Neugierde und Interesse am Detail, der Griff zur Kamera obligatorisch, die Wahl der ins Visier genommenen Bildausschnitte zur Obsession. Zeitverloren befinde ich mich in einer Welt im Kleinen, einer Welt, die mir in genau dem Moment, wenn es leise klickt, erlaubt, sie zu verzaubern, zu befreien von ihrer Unsichtbarkeit, Belanglosigkeit, Hässlichkeit, Bedeutungslosigkeit, selbst von ihren Wunden. Mit dem Fieber der Komposition gebe ich dieser Welt im Ausschnitt einen gebührenden, noch unsichtbaren Rahmen, verwandele sie um, kleide sie neu ein, gebe ihr einen ästhetischen Eigenwert und Ausdruck.“


www.dorishinzen-roehrig.com

Die seit 1976 in Berlin lebende bildende Künstlerin (* 1951 in Saarbrücken) studierte an der FHS Saarbrücken Grafik-Design, an der Universität des Saarlandes Kunstgeschichte und Soziologie sowie an der FHS Hamburg Experimentelle Zeichnung. Längere Auslandsaufenthalte in Südamerika und Asien führten bereits früh zu Einzel- und Gruppenausstellungen auch außerhalb Europas. Bis heute nimmt sie regelmäßig an nationalen wie internationalen Ausstellungs- und Workshop-Projekte im In- und Ausland teil. Ihre Arbeiten befinden sich in privaten wie öffentlichen Sammlungen.