Stephan Reisner

 

„Waidmannsheil“, 2007

 

Die Wildnis ist ein schönes Weihnachtsmarktmärchen! Kein Buschmann würde jemals von Wildnis sprechen, wenn er durch den Busch zieht, um einen Bock zu schießen. So, wie der wilde Mensch die Götter gefunden hat, um seine Seele zu retten, hat sich der moderne Mensch den Begriff der Wildnis erschaffen, um im heiligen Garten Eden kein Unkraut zupfen zu müssen. Der zivilisierte Mensch kommt sauber und bequem aus allem heraus. Man kann ihn als aussichtslosen Fall bezeichnen, denn er findet immer eine sprachliche, technische oder schwer bewaffnete Lösung, um der Wahrheit der Existenz nicht ins Gesicht blicken zu müssen. Die Kunst hat die Aufgabe, seine kognitiv dissonanten Fluchtversuche bloßzustellen, ihm den faulen Weg der Ausrede abzuschneiden und seiner übermächtigen Selbstgerechtigkeit den Blattschuss zu versetzen.

 


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